Zwölfjährig erhalte ich eine Freistelle in einem Internat in Feldafing, der Oberschule Starnberger See. Energische Weichenstellung des Großvaters, schwere Entscheidung der Eltern.

Bis 1943 Schüler in Feldafing. Die Phase der Pubertät, der Neugierde und Lernwilligkeit in einer völlig neuen (beinahe unwirklichen) Umgebung, einer zunehmend befremdlichen, schrecklichen Zeit. Freundschaftliche Bindung an Otto Kreppel, Alfred Biersack, den Musikerzieher Leo Künzel. Erste Versuche, mit Zeichenstift und Pinsel Sinneseindrücke und Empfindungen festzuhalten.

1942 lerne ich die Malerin Charlotte Buchheim kennen. Ihre Arbeiten wirken zunächst fremdartig, schockierend. Auch die hoch verehrte Frau Landshoff in Berlin bestärkt mich darin, meine Gehversuche ernster zu nehmen, den Parolen und Praktiken des »Zeitgeistes« zu misstrauen.

Notabitur - Soldat. Aufenthalt in Belgien und Frankreich: Ein origineller, liebenswerter Architekt und Privatier richtet für uns eine Werkstatt ein, beschafft Farben und Aquarellpapier. Fahrten nach Chartres und Paris.

Zehntägiger Besuch im Staatsatelier von Prof. Thorak. Der Großmeister bestätigt Talent. Seine Schülerin gibt mir die Briefe von Van Gogh zu lesen. Einer der Gehilfen schnitzt nach Fleißarbeit in monumentalem Gips nächtens eine Kinderwiege.

Einsatz an der Invasionsfront, bei Caen verwundet. Das Überleben verdanken wir Erschreckten, Zweifelnden, Ratlosen - weitgehend denjenigen unter den »Alten«, die sich nach Frieden sehnten, nach Beendigung dieser grauenhaften, heil- und sinnlosen Orgie der Gewalt.

Kopfloses Umherirren: Berlin, Prag, Wien. Zur »Abschreckung« werden auf widerliche Weise zwei Fahnenflüchtige exekutiert: Gefühle des Ekels, der Scham, das Eingeständnis eigener Ohnmacht, Verkommenheit. Gefangenschaft, Internierungslager, Flucht. Aufenthalt auf dem Hof des Bauern, Zeichners und Musikers Heinz Waltjen. Er hatte an der Akademie in München studiert, den Künstlerberuf aufgeben müssen.